David-Sackett-Preis 2026 zeichnet HC-Forschung zur Evidenz von KI im Gesundheitswesen aus
Christoph Wilhelm und Felix G. Rebitschek vom Harding-Zentrum für Risikokompetenz an der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) und der Universität Potsdam erhalten den David-Sackett-Preis 2026 des Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM-Netzwerk). Ausgezeichnet wird ihr Forschungsprogramm zur Bewertung des patientenrelevanten Nutzens und der Risiken KI-basierter Entscheidungsunterstützung und evidenzbasierter Gesundheitsinformation. Die Arbeiten untersuchen, unter welchen Bedingungen KI die Gesundheitsversorgung verbessert und wann die Evidenz dafür bislang nicht ausreicht.
Im Fokus steht die Frage, ob KI-Systeme Patientinnen und Patienten tatsächlich nutzen, Schäden vermeiden und informierte Entscheidungen unterstützen. Eine systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass KI-Anwendungen bislang nur selten anhand patientenrelevanter Endpunkte bewertet werden. Zwar fanden die Forschenden in einzelnen Bereichen Hinweise auf positive Effekte, insgesamt reicht die Evidenz für eine belastbare Bewertung jedoch nicht aus. Zudem werden potenzielle Schäden, Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen und die Transparenz der Modelle häufig unzureichend berücksichtigt. Untersuchungen zu generativen Sprachmodellen zeigen, dass diese zwar verständliche Gesundheitsinformationen liefern, die Anforderungen evidenzbasierter Gesundheitsinformation aber nur eingeschränkt erfüllen. Defizite bestehen unter anderem bei der Darstellung von Nutzen und Risiken, absoluten Risiken sowie Unsicherheiten und Evidenzqualität. Auch ein sogenannter „Prompting-Boost“ verbesserte die Qualität der Antworten, die jedoch weiterhin unter dem fachlich wünschenswerten Standard blieb. Das Primärziel des Harding-Zentrums, das am Institut für Gesundheitswissenschaftliche Ausbildungsforschung angesiedelt ist, ist die Verbesserung von Risikokommunikation und Risikokompetenz auf nationaler und internationaler Ebene, insbesondere in den Bereichen Gesundheit und Digitalisierung.
Die Jury würdigte insbesondere die hohe Relevanz des Forschungsprogramms für die evidenzbasierte Medizin. Die Preisverleihung findet im Rahmen der EbM-Jahrestagung vom 30. September bis 2. Oktober 2026 in Göttingen statt.