Faktenboxen

Das Harding-Zentrum für Risikokompetenz entwickelt in Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen Faktenboxen zu Gesundheitsthemen, die sich an die allgemeine Bevölkerung aber auch an Ärzt*innen richten. Die Faktenboxen sollen den Verbraucher*innen ermöglichen, Vor- und Nachteile bestimmter medizinischer Maßnahmen zu verstehen, damit sie selbst entscheiden können, ob sie sich diesen unterziehen möchten oder nicht.

Aufbauend auf den Entwicklungen und Erkenntnissen der Forschung des Harding-Zentrums zur transparenten Kommunikation von Risiken durch Verwendung von natürlichen Zahlen und Häufigkeiten, ist es unser Bestreben, mit Hilfe der Faktenboxen in grafisch ansprechender Form die beste verfügbare Evidenz zu potenziellem Nutzen und Schaden verschiedener medizinischer Maßnahmen bzw. Gesundheitsthemen zu präsentieren. 

Die Faktenboxen werden u.a. im Hinblick auf die Effektivität der Vermittlung von patientenrelevantem Wissen und auf Gesundheitsentscheidungen wissenschaftlich evaluiert. Außerdem untersuchen wir, welche weiteren Formate zur Zusammenfassung und Präsentation von medizinischer Evidenz geeignet sind und wie man am besten Informationen über die Qualität und Unsicherheit solcher Evidenz kommuniziert. 

Wir arbeiten mit den folgenden Organisationen zusammen:

Helsana

In einer Kooperation mit dem Schweizer Krankenversicherer Helsana haben wir Faktenboxen zu den Themen Krebs-Früherkennung und Impfen erstellt. Diese sind zusammen mit kurzen animierten Filmen auf der Helsana-Webseite zu finden.


Helsana-Logo

AOK-Bundesverband

Die Faktenboxen aus der seit 2014 bestehenden Zusammenarbeit werden den Versicherten als Entscheidungshilfen über die Webseite des AOK-Bundesverbands zur Verfügung gestellt. 

 


 

AOK-Logo

Bertelsmann-Stiftung und Weisse Liste

Die Kollaboration baut auf der Forschungskompetenz des Harding-Zentrums auf und nutzt die Möglichkeiten der Bertelsmann-Stiftung, die Entscheidungshilfen über die "Weisse Liste" der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.


Logo-Weisse-Liste

Gesellschaft für Wirtschaftlichkeit und Qualität bei Krankenkassen

Ziel der Kooperation mit der GWQ ServicePlus AG ist es, die Gesundheitskompetenz der Versicherten zu stärken, damit diese bessere Gesundheitsentscheidungen treffen können. Dafür haben wir Faktenboxen zu verschiedenen Themen erarbeitet.


 

GWQ-Logo

Robert Koch-Institut (RKI)

In einer Kooperation mit Kolleg*innen vom Robert Koch-Institut (RKI) haben wir Faktenboxen zu den COVID-19-Impfungen erstellt.

 


RKI-Logo

Wegweiser

 

Medizinische Fragestellungen können oft nicht pauschal beantwortet werden. Deshalb sind transparente Informationen wichtig – und der Mut, für sich selbst zu entscheiden.

Was sind Faktenboxen?

Faktenboxen stellen die beste verfügbare Evidenz zu einem Thema klar verständlich dar. Die wichtigsten Vor- und Nachteile werden einander in Tabellenform gegenübergestellt. Damit tragen sie dazu bei, auch medizinisch und statistisch nicht vorgebildeten Personen kompetente Entscheidungen zu ermöglichen.

Woher stammt die Idee?

Die Idee Informationen in einer Übersicht darzustellen, stammt ursprünglich von Eddy, der Nutzen und Schäden der Darmkrebsfrüherkennung in einer simplen Tabelle zusammenfasste. Schwartz, Woloshin und Welch griffen diese Idee auf und verbesserten damit amerikanische Werbeanzeigen für Medikamente (direct-to-consumer drug advertisements). Seit 2009 sorgt das Harding-Zentrum für Risikokompetenz dafür, die Idee von Faktenboxen zu verschiedenen medizinischen Maßnahmen zu verbreiten.

In mehreren Studien konnte bereits gezeigt werden, dass sich mit Faktenboxen die Allgemeinbevölkerung erfolgreich über Nutzen und Risiken medizinischer Behandlungen informieren lässt.

Methoden

Faktenboxen basieren auf den derzeit besten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ihre Entwicklung folgt den Methoden der evidenzbasierten Medizin nach Sackett et al. (1996) und Kunz et al. (2007) sowie den Erkenntnissen der Leitlinie evidenzbasierte Gesundheitsinformation von Lühnen et al. (2017). Jede Faktenbox wird von den Teammitgliedern des Harding-Zentrums mehrmals geprüft und in Zusammenarbeit mit einem Lektorat und dem wissenschaftlichen Leiter des Harding-Zentrums in ihre endgültige Form gebracht.

In unserem Methodenpapier beschreiben wir die wissenschaftlichen Grundlagen und die allgemeine methodische Arbeitsweise, die die Mitarbeiter*innen des Harding-Zentrums bei der Erstellung von Faktenboxen anwenden. Neben der detaillierten Darstellung der wissenschaftlichen Grundsätze, werden die einzelnen Schritte beim Erstellen der Faktenboxen zusammenfassend dargelegt (z.B. Auswahl der Evidenz, Endpunktauswahl) und eine umfassende Erklärung zu Kooperationspartnern, Finanzierenden und Stiftenden des Harding-Zentrums gegeben.

Das Harding Zentrum und die Verfassenden der Faktenboxen erklären, dass für die Erstellung der Faktenboxen keine Interessenkonflikte vorliegen.

Die projektspezifischen Schritte für die Erstellung einer Faktenboxen sowie die Ergebnisse der Literaturrecherchen und Evidenzbewertungen lassen sich den jeweiligen Methodenreports entnehmen, die auf Anfrage zugänglich gemacht werden können. Welche Personen an der Erstellung der jeweiligen Faktenbox beteiligt sind, lässt sich ebenfalls den jeweiligen Methodenreports entnehmen (Beispiel: Methodenreport des Harding-Zentrums für die Entwicklung der HPV-Faktenbox).

Das Methodenpapier für die Erstellung von Faktenboxen befindet sich in fortwährender Überarbeitung, um den eigenen Qualitätsanforderungen des Harding-Zentrums gerecht zu werden und die neusten Entwicklungen in der evidenzbasierten Medizin zu berücksichtigen.

Anmerkungen und Anregungen zum Methodenpapier sind herzlich willkommen und können an hardingcenter@fgw-brandenburg.de gerichtet werden.

zum Methodenpapier des Harding-Zentrums für die Entwicklung von Faktenboxen 
(Version 2.2, 16.06.2021)

Bild entfernt.

 

Das Harding-Zentrum beteiligt sich am Programm "Verlässliches Gesundheitswissen" des Deutschen Netzwerks Gesundheitskompetenz e.V. DNGK.

 

Quellen

Brick, C, McDowell, M, & Freeman, ALJ (2020). Risk communication in tables vs. text: a Registered Report randomised trial on 'fact boxes'. Royal Society Open Science 7: 190876. doi: 10.1098/rsos.190876 [Article]

Loizeau, AJ, Theill, N, Cohen, SM, Eicher, S, Mitchell, SL., Meier, S, McDowell, M, Martin, M, Riese, F (2019). Fact Box decision support tools reduce decisional conflict about antibiotics for pneumonia and artificial hydration in advanced dementia: A randomized controlled trail. Age and Ageing, 48, 67-74. doi:10.1093/ageing/afy149 [Article]

McDowell, M. E., Gigerenzer, G., Wegwarth, O., & Rebitschek, F. G. (2019). Effect of tabular and icon fact box formats on comprehension of benefits and harms of prostate cancer screening: A randomized trial. Medical Decision Making, 39, 41-56. doi:10.1177/0272989X18818166 [Article]

McDowell M, Rebitschek FG, Gigerenzer G, Wegwarth O (2016). A Simple Tool for Communicating the Benefits and Harms of Health Interventions: A Guide for Creating a Fact Box. MDM P&P 1:1-10. [Article]

Schwartz LM, Woloshin S, Welch HG (2009). Using a drug facts box to communicate drug benefits and harms: two randomized trials. Ann Intern Med 150:516-27. [Article]

Schwartz LM, Woloshin S, Welch HG (2007). The drug facts box: providing consumers with simple tabular data on drug benefit and harm. Med Decis Making 27:655-62. [Abstract]

Eddy DM (1990). Comparing benefits and harms: the balance sheet. JAMA 1990;263(18):2493. [Abstract]

Sackett DL, Rosenberg WM, Gray JA, Haynes RB, Richardson WS (1996): Evidence based medicine: What it is and what it isn't. BMJ 312(7023):71–2. Epub 1996/01/13.

Kunz R, Ollenschläger G, Raspe H, Jonitz G, Donner-Banzhoff N. (2007): Lehrbuch Evidenzbasierte Medizin in Klinik und Praxis. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag.

Lühnen J, Albrecht M, Mühlhauser I, Steckelberg A (2017): Leitlinie evidenzbasierte Gesundheitsinformation. Hamburg: Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. Abrufbar unter: https://www.ebm-netzwerk.de/was-wirtun/publikationen/LeitlinieEvidenzbasierteGesundheitsinformation.pdf (15.05.2018).


Nutzungsbedingungen

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