Behandlungsstrategien bei vorzeitigem Blasensprung ab der 37. SSW

Diese Faktenbox soll Ihnen helfen, Nutzen und Schäden von Ernährungsberatung zur Vorbeugung eines Schwangerschaftsdiabetes abzuwägen. Die Informationen und Zahlen stellen keine endgültige Bewertung dar. Sie basieren auf den derzeit besten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Die Faktenbox wurde vom Harding-Zentrum für Risikokompetenz erstellt.

Was ist ein vorzeitiger Blasensprung?

Während der Schwangerschaft ist das Baby in der Gebärmutter von einer mit Fruchtwasser gefüllten dünnen Haut (Fruchtblase) umgeben, die es vor Infektionen schützt. Kurz vor der Geburt platzt diese (Blasensprung) und Fruchtwasser tritt aus [2]. Üblicherweise setzen kurz vorher oder innerhalb von 24 Stunden die Geburtswehen ein und die Geburt beginnt. Bleiben die Geburtswehen innerhalb der nächsten 24 Stunden nach Blasensprung aus, spricht man vom vorzeitigen Platzen der Fruchtblase. Dies geschieht jährlich bei etwa acht von 100 Geburten weltweit [1].

Ein vorzeitiger Blasensprung stellt eine potentielle Gefahr für Mutter und Kind dar, da Krankheitserreger aufsteigen und zu Infektionen führen können. Mögliche Folgen sind Entzündungen der Eihäute, der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis) oder des Fruchtwassers. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Blutvergiftung (Sepsis) der Mutter kommen sowie zu einer Infektion des Babys. Eine solche Infektion kann zu einem Hirnschaden oder zum Tod des Babys führen [3].

Was sind Maßnahmen bei einem vorzeitigen Blasensprung ohne das Vorhandensein von Geburtswehen?

Nach einem Blasensprung ist ärztlicher Beistand erforderlich. Für eine ärztliche Untersuchung kann es hilfreich sein, den Umfang und Zeitraum des Flüssigkeitsabganges zu erfassen. Auch die Beschaffenheit der Flüssigkeit, mit Konsistenz, Farbe und Menge können aufschlussreich sein [3].

Bei der Hälfte aller Schwangeren tritt im Verlauf der Schwangerschaft eine Harninkontinenz auf, sodass es sich bei einer abgegangenen Flüssigkeit auch um Urin handeln könnte [3].

Wenn ein vorzeitiger Blasensprung nach der 37. Schwangerschaftswoche einsetzt, gibt es zwei Behandlungsmöglichkeiten. Entweder werden die Wehen medikamentös ausgelöst (Weheneinleitung), und es kommt zu einer geplanten Frühgeburt, oder es wird unter strenger Beobachtung abgewartet, bis die Wehen auf natürliche Weise einsetzen und die Geburt beginnt.

Eine Geburt kann auf verschiedene Weisen medikamentös eingeleitet werden. Hier wird die Gabe von Oxytocin über die Vene oder die Gabe von Prostaglandinen (als Tablette oder Zäpfchen) in Betracht gezogen werden [1].

Faktenbox Behandlungsstrategien bei vorzeitigem Blasensprung ab der 37. SSW
Faktenbox Behandlungsstrategien bei vorzeitigem Blasensprung ab der 37. SSW © Harding-Zentrum für Risikokompetenz
Was zeigt die Faktenbox?

In der Faktenbox werden die Behandlungsstrategien bei frühzeitigem Blasensprung ab der 37. Schwangerschaftswoche hinsichtlich ihres Nutzens und Schadens miteinander verglichen. Bei schwangeren Frauen, deren Fruchtblase vorzeitig geplatzt ist ohne das Geburtswehen eintraten, wurde entweder abgewartet oder die Geburt eingeleitet.

Die Tabelle liest sich wie folgt:

Bei elf von je 100 Frauen mit beobachtendem Abwarten trat eine Infektion an der Gebärmutterschleimhaut oder den Eihäuten auf. Hingegen trat bei fünf von je 100 Frauen mit Geburtseinleitung trat eine Infektion auf. Das heißt durch die Geburtseinleitung konnte bei sechs von je 100 Frauen eine Infektion der Gebärmutterschleimhaut verhindert werden.

Die Zahlen in der Faktenbox sind gerundet. Sie basieren auf 22 Studien mit knapp 8615 Teilnehmerinnen und ihren Babys [1].

Was ist noch zu beachten?

Die im Review verwendeten Studien stammen überwiegend aus Pakistan, China und Europa.

Liefern die Ergebnisse einen Beweis (Evidenz) für den Nutzen und Schaden der Geburtseinleitung?

Die Beweislage ist insgesamt von sehr niedriger bis moderater Qualität:

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Ergebnisse zur Entstehung der Infektion von Gebärmutterschleimhaut und Eihäute sowie zur Anzahl der Kaiserschnitte durch weitere Forschung verändert werden (niedrige Beweislage).

Die Ergebnisse zur Anzahl von Babys mit Neugeborenensepsis sind nicht vertrauenswürdig (sehr niedrige Beweislage).

Einige Ergebnisse zur Kindessterblichkeit könnten durch weitere Forschung verändert werden (moderate Beweislage).

Die Einschätzung der Qualität der Ergebnisse zur Antibiotikagabe sowie zu Verlegungen auf Spezial- und Intensivstationen wurden von den Autoren nicht vorgenommen.

Versionsverlauf der Faktenbox
  • April 2018 (letztes Update)
Quellen

Die Informationen für die Faktenbox wurden den folgenden Quellen entnommen:

[1] Middleton P, Shepherd E, Flenady V, et al. Planned early birth versus expectant management (waiting) for prelabour rupture of membranes at term (37 weeks or more). Cochrane Database Syst Rev 2017(1):CD005302.

[2] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (2018). Schwangerschaft und Geburt. Abrufbar unter: https://www.gesundheitsinformation.de/was-kann-man-tun-wenn-sich-eine-fruehgeburt.2686.de.html?part=geburt-ev (06.04.2020).

[3] Schmidt S. Vorzeitiger Blasensprung. Frauenheilkunde up2date 2009;3(03):211-24 doi: 10.1055/s-0029-1224500