Früherkennung von Darmkrebs bei Frauen durch die kleine Darmspiegelung (flexible Sigmoidoskopie)

Diese Faktenbox soll Ihnen helfen, Nutzen und Schaden der Darmkrebs-Früherkennung durch die kleine Darmspiegelung abzuwägen. Die Informationen und Zahlen stellen keine endgültige Bewertung dar. Sie basieren auf den derzeit besten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Diese Faktenbox wurde vom Harding-Zentrum für Risikokompetenz erstellt.

Was ist Darmkrebs?

Im Jahr 2014 wurde bei etwa 61.000 Menschen in Deutschland Darmkrebs diagnostiziert, davon waren ca. 28.000 weiblich. Meistens 
sind ältere Menschen über 55 Jahre betroffen [4]. 

Darmkrebs entsteht an der Darmschleimhaut, meist über Vorstufen, sogenannte Polypen. Polypen sind gutartige, in den Dickdarm hineinragende Schleimhautgeschwülste, die sich zu Darmkrebs entwickeln können.

Was ist die Darmkrebs-Früherkennung durch die kleine Darmspiegelung?

Früherkennungsuntersuchungen (auch Screening genannt) richten sich an Menschen, die keine Symptome im Hinblick auf die gesuchte Krankheit, in diesem Fall Darmkrebs, haben. Darmkrebs soll dadurch früher entdeckt und behandelt werden.

Bei der kleinen Darmspiegelung (flexible Teildarmspiegelung bzw. Sigmoidoskopie) werden etwa die letzten 60 Zentimeter des Dickdarms mit einem Endoskop (Sigmoidoskop) untersucht. Mithilfe des Endoskops ist es möglich die innere Darmwand zu betrachten und auf Auffälligkeiten zu untersuchen. Bei Darmspiegelungen können zudem mögliche Darmkrebsvorstufen, sogenannte Polypen, direkt entfernt werden.

Wer kann eine kleine Darmspiegelung in Betracht ziehen?

Zur Früherkennung von Darmkrebs wird die kleine Darmspiegelung in Deutschland nicht als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherungen angeboten.

Welche alternativen Früherkennungsuntersuchungen gibt es?

Weitere Formen der Darmkrebs-Früherkennungsuntersuchung sind der Test auf verborgenes Blut im Stuhl (Okkultbluttest) ab 50 Jahren und die große Darmspiegelung (Koloskopie) ab 55 Jahren, die als Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung angeboten werden [5].

Faktenbox Früherkennung von Darmkrebs bei Frauen durch die kleine Darmspiegelung (flexible Sigmoidoskopie)
Faktenbox Früherkennung von Darmkrebs bei Frauen durch die kleine Darmspiegelung (flexible Sigmoidoskopie) © Harding-Zentrum für Risikokompetenz
Was zeigt die Faktenbox?

In der Faktenbox werden die Nicht-Inanspruchnahme und die Inanspruchnahme der Früherkennung durch die kleine Darmspiegelung hinsichtlich des daraus resultierenden Nutzens für Frauen und Schadens für Frauen und Männer ab 50 Jahren miteinander verglichen.

Die Tabelle liest sich wie folgt:

Bei Nicht-Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchung starben innerhalb von mindestens 10 Jahren 4 von je 1.000 Frauen an Darmkrebs. Im selben Zeitraum starben 3 von je 1.000 Frauen mit Früherkennungs-untersuchung durch die kleine Darmspiegelung an Darmkrebs. Das bedeutet, dass eine von je 1.000 Frauen vor dem Tod durch Darmkrebs bewahrt wurden.

Die Zahlen in der Faktenbox sind gerundet. Die Zahlen zur Darmkrebs-sterblichkeit und Diagnosen basieren auf drei Studien mit insgesamt knapp 300.000 Teilnehmenden [1]. Die Zahlen zu Komplikationen basieren auf vier Studien mit knapp 450.000 Teilnehmenden [2]. 
Die Zahlen zu den Schmerzen basieren auf einer Studie mit 170.000 Teilnehmenden [3].

Was ist noch zu beachten?

Die Früherkennungsuntersuchung zeigte keinen Einfluss auf die Zahl der Todesfälle bei der einzelnen Betrachtung von Frauen ab 60 Jahren. Das heißt, die zugrundeliegenden Studien boten keinen Nachweis, dass die kleine Darmspiegelung in einem Zeitraum von mindestens 10 Jahren bei Frauen ab 60 Jahren ein Leben rettet.  

Liefern die Ergebnisse einen Beweist (Evidenz) für den Nutzen und Schaden fder Früherkennung durch die kleine Darmspiegelung?

Die Evidenz ist insgesamt von mittlerer Qualität. Die Ergebnisse zum Nutzen könnten durch weitere Forschung verändert werden [2].

Die Einschätzung der Qualität der Ergebnisse zum Schaden wurden von den Autoren nicht vorgenommen.

Versionsverlauf der Faktenbox
  • Juni 2019 (Update der Evidenz, Implementierung geschlechtsspezifischer Endpunkte)
  • Juni 2016 (Erstellung)
Quellen

Die Informationen für die Faktenbox wurden den folgenden Quellen entnommen:

[1] Holme O, Schoen RE, Senore C, et al. Effectiveness of flexible sigmoidoscopy screening in men and women and different age groups: pooled analysis of randomised trials. BMJ (Clinical research ed) 2017;356:i6673. doi: 10.1136/bmj.i6673.

[2] Fitzpatrick-Lewis D, Ali MU, Warren R, et al. Screening for Colorectal Cancer: A Systematic Review and Meta-Analysis. Clin Colorectal Cancer 2016;15(4):298-313. doi: 10.1016/j.clcc.2016.03.003.

[3] Atkin WS, Cook CF, Cuzick J, et al. Single flexible sigmoidoscopy screening to prevent colorectal cancer: baseline findings of a UK multicentre randomised trial. Lancet 2002;359(9314):1291-300. doi: 10.1016/s0140-6736(02)08268-5.

[4] Robert Koch Institut. Zentrum für Krebsregisterdaten. Darmkrebs 2014. [https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Darmkrebs/darmkrebs_node.html] 22.05.2019.

[5] Gemeinsamer Bundesausschuss. Früherkennungsuntersuchungen im Überblick 2016 [www.g-ba.de/institution/themenschwerpunkte/ frueherkennung/ueberblick/] 01.11.2016.